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WTF, eine Frau!?

Ich habe das Bloggen etwas (ok, sehr) vernachlässigt. Aber gespielt hab ich seit dem letzten Post doch: z.B. Divinity: Original Sin, Dragon Age: Inquisition, Anno 2070 und Tropico 5.

Alles großartige Spiele, aus verschiedenen Gründen. Aber ich will natürlich die Darstellung der Gender etwas näher beleuchten und dabei geht es überhaupt nicht um Äußerlichkeiten. Sexismus in Spielen ist wirklich so viel mehr als unrealistisch schmale Taillen und DD-Körbchen.

In Tropico 5 herrscht (wie in der Reihe schon lange üblich) 100%ige Gleichberechtigung. JedeR BürgerIn kann jeden Job machen, von LastenträgerIn/fahrerIn bis Presidente.

Dragon Age gäbe – allein vom Umfang des Spiels her – einen eigenen Blogpost her. Aber in aller Kürze: Bunt durchgemischte Charaktere, menschlich (elfisch, zwergisch, qunarisch) bis auf die Knochen.

Anno 2070 hat für ein Aufbauspiel recht viel Story mit wiederkehrenden Charakteren. Das Geschlecht des eigenen Charakters ist frei wählbar, eine der Kontaktpersonen (Questgeber) der drei größten Fraktionen ist weiblich – natürlich die Ökotante. #hmpf

Wenn man seine Siedlung aufbaut, wuseln je nach Fraktion niedliche BürgerInnen herum – aber die gezeigten Repräsentanten der berufstätigen Schichten sind immer Männer (und noch dazu fast alle weiß). Einen Auszug seht Ihr hier:

ecos techs tycoons

Manche dieser Herren machen sogar Witzchen drüber, dass ihre Frauen jetzt doch auch einen Job gefunden hätten. Es wird auch das Klischee gedroschen, dass Männer der niedrigeren Schichten auf Wirtshausschlägereien stehen würden. Gähn!

Man könnte natürlich sagen, wir hätten wichtigere Probleme – aber ehrlich, dieses Spiel ist in dem Punkt auch einfach ein Spiegel der Realität: Trotz aller erfolgreichen, kompetenten, gscheiten Frauen im realen Leben werden noch immer meist die Männer gezeigt, angesprochen, gefragt, gewählt (oder zu Wahlen aufgestellt). Und ja, das hat mit der fehlenden Präsenz zu tun, mit der noch immer mangelnden Normalität von Frauen in technischen oder kaufmännischen Karrieren. Hierzu zwei Anekdoten:

Ich betreue einen Technologie-Konzern in Sachen Facebook-Auftritt. Letztens kam eine Direct Message daher, die mit “Hello Sir” begann. Ich bin es ja gewöhnt, dass mich Leute “in diesem Internet” für einen Mann halten, weil sie “Almud” nicht kennen, aber das hat mich wirklich geärgert. Eh klar, in einem Technologie-Konzern kann ja keine Frau für irgendwas zuständig sein. (Und das, wo grade Kommunikation und Marketing so ein klassisch weiblicher Bereich sind.) Ich habe mir – weil Kunde und nicht persönlich – jeglichen Kommentar hierzu verkniffen und gewohnt freundlich geantwortet. (Der Mitarbeiter, den ich für die weitere Bearbeitung kontaktiert hab, hat mich übrigens auch als Herr Auner angemailt.)

Zweitens: Ein Mann (sorry, ich vergaß wer) hat kürzlich auf Facebook folgendes erzählt: In einem IT-Seminar mussten die ausschließlich männlichen Teilnehmer als Aufgabe einen Admin für irgendwas anlegen – eine Heidi. Zum allerersten Mal wurde in diesem Seminar eine fiktive Person diskutiert, weil: Eine Frau als Admin, das ist absurd!

Edit: Danke an Florian Prischl für den Link zu dem Thread: https://t.co/exmVar998b 

Und ja, es gibt wohl auch genug Männer, die sich aufregen würden, wenn alle Avatare in Anno 2070 Frauen wären. Aber es gäbe auch welche, die das super finden würden – wobei, ich persönlich wäre ja eh für 40/60 in diese oder jene Richtung. 50/50 klingt immer so nach abgezählt und krampfhaft.

Ich möchte Euch – Frauen, aber insbesondere auch die Männer – die mehr Repräsentation von berufstätigen und erfolgreichen Frauen super fänden, aufrufen, in Eurem Bereich und Umfeld mitzuhelfen, Euren Kolleginnen den Platz zukommen lassen, den sie sich verdient haben. Und zwar ganz bewusst und absichtlich. Wenn ihr ein Spiel designt 😉 oder jemand für eine Fachkonferenz oder ein Interview vorschlagt … aber auch “im Kleinen”, wenn ihr ein IT-Seminar haltet, wenn ihr ein Werbesujet für ein technisches Produkt erstellt, wenn ihr einen Avatar für ein Mockup einer IT-Lösung oder App erstellt … denkt an Heidi. Und schaut, was passiert. (Heidi hat übrigens kein DD-Körbchen, das würde das Experiment verzerren.)

Ich will nicht allzu pathetisch werden, aber mir fiel grad ein Gandhi-Zitat ein:

First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.

Ich glaube nicht, dass diese Normalisierung von Frauen als Expertinnen in drei konkreten Phasen geschieht, eher alles gleichzeitig: Ich habe das Ignorieren erlebt, das Verspotten und das Bekämpfen. Ich hoffe, ich erlebe auch noch den Erfolg. Bald, nicht erst 2070.

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