Ihhhhhhh, eine radioaktive Mauuuuuus — Geschlechterstereotype in Fallout Shelter

Es muss wohl erst ein atomarer Krieg ausbrechen, dass ich wieder blogge! 😉

Ich bin seit Teil 1 großer Fan der Fallout-Reihe und hab sie eigentlich als sehr ausgeglichen in Erinnerung, was Geschlechterrollen betrifft. Momentan spiele ich am Handy Fallout Shelter, ein grundsätzlich nettes kleines Game, in dem man den Fallout-typischen Bunker ausbauen managen, und verteidigen muss.

Screenshot aus Fallout Shelter

Das Spiel ist ein Appetithäppchen für das angekündigte Fallout 4. Und es ist zwar ein kleiner Zeitfresser (die Vault Dwellers sind sehr needy!) aber es ist ohne Micro Payments gut spielbar. Es macht erstmal süchtig, aber wahrscheinlich wirds auch bald fad.

Und vor allem macht es mich auch sauer.

(Schwangere) Frauen sind feige

In regelmäßigen Abständen gibt’s Zoff im Vault. Egal ob Feuer oder Rad Roaches, die bewaffneten, mehr oder weniger gut gepanzerten und hoffentlich mit Rad-Aways und Stimpaks (“Heiltränke”) ausgerüsteten Dwellers müssen ran.

Verteidigung des Vaults in Fallout Shelter

Da müssen alle ran, wenn nötig auch mit bloßen Fäusten. Alle? Moment, da war doch was. Kinder und schwangere Frauen laufen nämlich kreischend davon – im Bild oben sieht man (hinter dem männlichen Dweller) eine Köchin mit Küchenmesser und Fleischstück panisch abhauen.

Es ist völlig egal, wie gut Frauen ausgerüstet sind – sie hauen in die Wohnquartiere ab und kehren erst zurück, wenn die Luft wieder rein ist.

Nun, ich weiß nicht was ich als Schwangere in einem Atombunker tun würde, wenn mutierte Küchenschaben aus dem Boden krabbeln … aber wenn ich bis an die Zähne bewaffnet bin und kürzlich drei Tage “draußen” im Wasteland auf Erkundungstour war, könnte ich doch vielleicht mal einfach auf das Tierchen drauftreten? Knacks, Problem solved. Es gibt sogar eine Quest im Spiel, wo man die unbewaffnet töten muss – es ist wirklich kein Himmelfahrtskommando! Bei angreifenden Deathclaws lass ich mir die Flucht noch einreden – aber das ist dann auch unabhängig von Geschlecht oder Schwangerschaft. 😉

Das systematische Problem an der Sache ist nämlich folgendes: Man gibt den weiblichen Dwellers keine guten Waffen in die Hand – es bringt ja nichts. Und wenn man nicht dauernd wechseln will (das Micromanagement ist schon okay gelöst, aber es ginge ordentlich Zeit drauf) benachteiligt man aus Prinzip die Frauen. Und man läuft Gefahr, Dinge zu denken wie “Du feige Kuh, wieso läufst Du weg? Du hast ein Lasergewehr; ihr seid zu sechst und da sind ein paar Kakerlaken.”

Außerdem können die Schwangeren zwar ganz normal arbeiten, aber man kann sie nicht ins Wasteland auf Erkundung schicken – was wiederum dazu führt, dass man gezwungenermaßen eher die männlichen Dwellers rausschickt.

Traurige Schlussfolgerung: Frauen sind in Fallout Shelter in erster Linie für Sex und Kinderkriegen gut.

Nestbauen in Zeiten des Atomkriegs

Zusätzliches Ärgernis bei schwangeren Dwellers: Kaum sind sie schwanger, fangen sie an, die Schlafräume zu dekorieren. Und da wird mit Klischees nicht gespart!

Nestbau-Klischees bei Schwangeren in Fallout Shelter

À propos Dialoge im trauten Heim: Die Frauen wollen auch Strick-Clubs gründen und machen sich Sorgen, ob jemand mitmachen würde. Das “They’d be crazy not to.” als Antwort liest sich für mich als gelangweiltes “Ja sicher, Schatz.”

Die sofort hochschwangeren Frauen haben recht typische Probleme: Fußschmerzen. Die werdenden Väter haben auch darauf eine Antwort:

Macho-Attitüde in Fallout Shelter

Und hier habe ich den ersten Teil des Dialogs verpasst, aber ich wills eigentlich eh nicht wissen:

Rollenklischees in Fallout Shelter: Vergiss das Bier nicht, Schatz!

Kann man nicht wenigstens EIN dummes Klischee auslassen?

Wie romantisch!

Übrigens, gleich nach dem Dialog übers Bilder aufhängen von vorhin ist folgendes passiert:

Polyamorie im Atombunker? Werdender Vater flirtet, während die werdende Mutter daneben steht mit einer anderen.

Der gute baldige Vater flirtet auf Teufel komm raus, während die Frau, die er geschwängert hat, neben ihm steht. Diejenige, der er vor 30 Spielsekunden genauso angebraten hat und die gerade eben mit ihm die Farbe der Badezimmerfliesen besprochen hat. (Nächstes Klischee: Der Typ ist jetzt in der Ehe gelangweilt und sucht schon die erste Affäre?)

Ich weiß schon, die Gesellschaft in Fallout ist auf dem Niveau von 1950 stehengeblieben und Monogamie kann man sich wohl auch nicht leisten, wenn man überleben will … aber warum dann überhaupt die überschwänglichen Liebesbekundungen? Würde nicht ein “Hey, ich hab die Anweisungen vom Overseer geleseen, dass wir Nachkommen zeugen sollen. *zwinker zwinker* Find dich aber eh heiß in Deiner Uniform.” reichen?

Wirst Du wohl Cäsar geben, was Cäsars ist … *

… und zwar seine Outfits.

Zum Beispiel die “Naughty Nightwear”, bei Männern ein hochgeschlossener Pyjama, bei Frauen ein knappes Nachthemd und ein Strumpfband – aber hey, das Problem kennen wir ja schon, dass es laut Game Designern keine nette Herrenwäsche gibt. Seufz.

Und noch viel nerviger: Viele der besseren Rüstungen/Uniformen in Fallout Shelter sind geschlechtsspezifisch. Und zwar — Überraschung — nur für Männer zu tragen.

Seltene Outfits: 2 sind neutral, 5 für Frauen, 13 für Männer

Legendäre Outfits: 1 für Frauen, 10 für Männer

Eines davon ist ein Kleriker-Gewand, das ziemlich nach Bischof aussieht. Ob die Gesellschaft nach hunderten Jahren im Bunker überhaupt noch weiß, was ein Bischof ist und dass das immer Männer waren?

Den Zölibat haben sie jedenfalls schon vergessen. 😀

Fallout Shelter: Zölibat? Kenn ich nicht.

Fazit:

Einige der Klischees, die hier abgefrühstückt werden, kann man durchaus mit der Gesellschaft im Fallout-Universum weg-erklären. Aber mit ein bisschen Hirnschmalz und Fantasie seitens der Entwickler (EntwicklerInnen???) hätten einige Ärgernisse verhindert werden können.

*) Natürlich eine Referenz zu Fallout: New Vegas. Aber ich musste erst an Asterix denken, wo das Zitat auch fällt. 😉 

…that all game characters are created equal…

“We hold these truths to be self-evident, that all game characters are created equal, that they are endowed by their developer with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty, and the Pursuit of Happiness.”

Hmm, self-evident. Really?

I was thrilled and amused when the thought ocurred to me that the US Declaration of Independence would be such fruitful material to further my ponderings on equality in games. 😉 Apart from the equality debate itself, the three aforementioned rights are essential to games as well: You (usually) can’t continue if your character dies, you have to have a certain degree of liberty in your game decisions (games that fail in this aspect are often mocked as “interactive screensaver”), and must be able to persue happiness, i.e., enjoy the game. I paused my first playthrough of Dragon Age: Origins for a week because a certain end-game choice made me very unhappy. That was so….. unconstitutional!

But let’s return to equality. As has been discussed before in Call me Lady Gama, I feel at ease with the “girl gamer” label, and I think my playing style is feminine. (What I wanted to add to my last entry was that, as a non-girly example, I don’t mind blood’n’gore in a game, and have always enjoyed things like Fallout’s Bloody Mess Trait/Perk. It’s a caricature, taken to such extremes that it couldn’t ever appall me. So it’s not all black and white, y’know?) I love being able to play a female character, and I want her to “act it”, in an equal, emancipated and confident way (as I try to be, myself). And I do want her to be sexy, just in a more realistic and credible way than what I usually get treated to.

As Jenn Frank pointed out in When “You” is a girl on the great site Infinite Lives, games are usually developed from a male point of view, and then, the option to play as a female is grafted onto it. You can basically put boobs and make-up on your hero and voilà, that’s your heroine! (I only recently read that Dragon Age 2 will introduce a female skeleton version for all characters! About time, fellas!) Nothing in the plot, dialogs or quests changes, apart from the flirts and romances (apart, again, from the homosexual ones, which often have an “explanatory opener”, but then proceed like the heterosexual ones). There are still few “female-avatar-only” PC games (Venetica or the Lara Croft series instantly come to mind), compared to “male-avatar-only” or “you-can-choose-but-not-quite” (see the link below on the difference between “sex” and “gender”).

I don’t generally dislike games that have only one option for the avatar’s gender – but I want it to be meaningful. In other words, it should make sense that this plot, dialog etc. can only happen to a woman or man. Ideally though, I get to pick my avatar and the game reflects that choice in distinct reactions, just like many games do depending on your karma/class/origin/faction. (Think about it again, as I just did for a while: Usually, when a game distinguishes between male and female avatars, we’re talking romance. Not main quest and plot line!) Settings like in Dragon Age or Fallout would give plenty of opportunity for that – but especially Fallout gives you 100% the same game, whether you play a guy or gal. As Jenn Frank put it in aforementioned blog post: “You may choose the sex of your avatar, certainly, but you do not choose your gender, which itself is essentially written into the game dialogue and scenarios.” In Dragon Age’s defense, I just read the post “Gaming as a Woman and Dragon Age Origins” by “Petite Chablis” that the Origin stories differ from male to female – I have tried each Origin and a little ways into the main plot as male or female, but no Origin as both; need to check that out! (My first choice is usually a female elf mage, if applicable. On later playthroughs, I often play as male to check for new twists and turns – more than often enough, all I get to see is a difference in necklines of my equipped armor suit.)

Many male players pick the female avatar for their first playthrough – and many of them agree that it simply means they can watch a pretty rear for dozens of hours 😉 – and it doesn’t really matter gameplay-wise anyway. Makes me wonder about two things – does over-the-shoulder perspective, or would a more “gendered” gameplay influence the percentage of guys playing as gals?

Or more generally speaking: Is it possible to create a game that really and truly treats us as “different but equal”?