Ihhhhhhh, eine radioaktive Mauuuuuus — Geschlechterstereotype in Fallout Shelter

Es muss wohl erst ein atomarer Krieg ausbrechen, dass ich wieder blogge! 😉

Ich bin seit Teil 1 großer Fan der Fallout-Reihe und hab sie eigentlich als sehr ausgeglichen in Erinnerung, was Geschlechterrollen betrifft. Momentan spiele ich am Handy Fallout Shelter, ein grundsätzlich nettes kleines Game, in dem man den Fallout-typischen Bunker ausbauen managen, und verteidigen muss.

Screenshot aus Fallout Shelter

Das Spiel ist ein Appetithäppchen für das angekündigte Fallout 4. Und es ist zwar ein kleiner Zeitfresser (die Vault Dwellers sind sehr needy!) aber es ist ohne Micro Payments gut spielbar. Es macht erstmal süchtig, aber wahrscheinlich wirds auch bald fad.

Und vor allem macht es mich auch sauer.

(Schwangere) Frauen sind feige

In regelmäßigen Abständen gibt’s Zoff im Vault. Egal ob Feuer oder Rad Roaches, die bewaffneten, mehr oder weniger gut gepanzerten und hoffentlich mit Rad-Aways und Stimpaks (“Heiltränke”) ausgerüsteten Dwellers müssen ran.

Verteidigung des Vaults in Fallout Shelter

Da müssen alle ran, wenn nötig auch mit bloßen Fäusten. Alle? Moment, da war doch was. Kinder und schwangere Frauen laufen nämlich kreischend davon – im Bild oben sieht man (hinter dem männlichen Dweller) eine Köchin mit Küchenmesser und Fleischstück panisch abhauen.

Es ist völlig egal, wie gut Frauen ausgerüstet sind – sie hauen in die Wohnquartiere ab und kehren erst zurück, wenn die Luft wieder rein ist.

Nun, ich weiß nicht was ich als Schwangere in einem Atombunker tun würde, wenn mutierte Küchenschaben aus dem Boden krabbeln … aber wenn ich bis an die Zähne bewaffnet bin und kürzlich drei Tage “draußen” im Wasteland auf Erkundungstour war, könnte ich doch vielleicht mal einfach auf das Tierchen drauftreten? Knacks, Problem solved. Es gibt sogar eine Quest im Spiel, wo man die unbewaffnet töten muss – es ist wirklich kein Himmelfahrtskommando! Bei angreifenden Deathclaws lass ich mir die Flucht noch einreden – aber das ist dann auch unabhängig von Geschlecht oder Schwangerschaft. 😉

Das systematische Problem an der Sache ist nämlich folgendes: Man gibt den weiblichen Dwellers keine guten Waffen in die Hand – es bringt ja nichts. Und wenn man nicht dauernd wechseln will (das Micromanagement ist schon okay gelöst, aber es ginge ordentlich Zeit drauf) benachteiligt man aus Prinzip die Frauen. Und man läuft Gefahr, Dinge zu denken wie “Du feige Kuh, wieso läufst Du weg? Du hast ein Lasergewehr; ihr seid zu sechst und da sind ein paar Kakerlaken.”

Außerdem können die Schwangeren zwar ganz normal arbeiten, aber man kann sie nicht ins Wasteland auf Erkundung schicken – was wiederum dazu führt, dass man gezwungenermaßen eher die männlichen Dwellers rausschickt.

Traurige Schlussfolgerung: Frauen sind in Fallout Shelter in erster Linie für Sex und Kinderkriegen gut.

Nestbauen in Zeiten des Atomkriegs

Zusätzliches Ärgernis bei schwangeren Dwellers: Kaum sind sie schwanger, fangen sie an, die Schlafräume zu dekorieren. Und da wird mit Klischees nicht gespart!

Nestbau-Klischees bei Schwangeren in Fallout Shelter

À propos Dialoge im trauten Heim: Die Frauen wollen auch Strick-Clubs gründen und machen sich Sorgen, ob jemand mitmachen würde. Das “They’d be crazy not to.” als Antwort liest sich für mich als gelangweiltes “Ja sicher, Schatz.”

Die sofort hochschwangeren Frauen haben recht typische Probleme: Fußschmerzen. Die werdenden Väter haben auch darauf eine Antwort:

Macho-Attitüde in Fallout Shelter

Und hier habe ich den ersten Teil des Dialogs verpasst, aber ich wills eigentlich eh nicht wissen:

Rollenklischees in Fallout Shelter: Vergiss das Bier nicht, Schatz!

Kann man nicht wenigstens EIN dummes Klischee auslassen?

Wie romantisch!

Übrigens, gleich nach dem Dialog übers Bilder aufhängen von vorhin ist folgendes passiert:

Polyamorie im Atombunker? Werdender Vater flirtet, während die werdende Mutter daneben steht mit einer anderen.

Der gute baldige Vater flirtet auf Teufel komm raus, während die Frau, die er geschwängert hat, neben ihm steht. Diejenige, der er vor 30 Spielsekunden genauso angebraten hat und die gerade eben mit ihm die Farbe der Badezimmerfliesen besprochen hat. (Nächstes Klischee: Der Typ ist jetzt in der Ehe gelangweilt und sucht schon die erste Affäre?)

Ich weiß schon, die Gesellschaft in Fallout ist auf dem Niveau von 1950 stehengeblieben und Monogamie kann man sich wohl auch nicht leisten, wenn man überleben will … aber warum dann überhaupt die überschwänglichen Liebesbekundungen? Würde nicht ein “Hey, ich hab die Anweisungen vom Overseer geleseen, dass wir Nachkommen zeugen sollen. *zwinker zwinker* Find dich aber eh heiß in Deiner Uniform.” reichen?

Wirst Du wohl Cäsar geben, was Cäsars ist … *

… und zwar seine Outfits.

Zum Beispiel die “Naughty Nightwear”, bei Männern ein hochgeschlossener Pyjama, bei Frauen ein knappes Nachthemd und ein Strumpfband – aber hey, das Problem kennen wir ja schon, dass es laut Game Designern keine nette Herrenwäsche gibt. Seufz.

Und noch viel nerviger: Viele der besseren Rüstungen/Uniformen in Fallout Shelter sind geschlechtsspezifisch. Und zwar — Überraschung — nur für Männer zu tragen.

Seltene Outfits: 2 sind neutral, 5 für Frauen, 13 für Männer

Legendäre Outfits: 1 für Frauen, 10 für Männer

Eines davon ist ein Kleriker-Gewand, das ziemlich nach Bischof aussieht. Ob die Gesellschaft nach hunderten Jahren im Bunker überhaupt noch weiß, was ein Bischof ist und dass das immer Männer waren?

Den Zölibat haben sie jedenfalls schon vergessen. 😀

Fallout Shelter: Zölibat? Kenn ich nicht.

Fazit:

Einige der Klischees, die hier abgefrühstückt werden, kann man durchaus mit der Gesellschaft im Fallout-Universum weg-erklären. Aber mit ein bisschen Hirnschmalz und Fantasie seitens der Entwickler (EntwicklerInnen???) hätten einige Ärgernisse verhindert werden können.

*) Natürlich eine Referenz zu Fallout: New Vegas. Aber ich musste erst an Asterix denken, wo das Zitat auch fällt. 😉 

WTF, eine Frau!?

Ich habe das Bloggen etwas (ok, sehr) vernachlässigt. Aber gespielt hab ich seit dem letzten Post doch: z.B. Divinity: Original Sin, Dragon Age: Inquisition, Anno 2070 und Tropico 5.

Alles großartige Spiele, aus verschiedenen Gründen. Aber ich will natürlich die Darstellung der Gender etwas näher beleuchten und dabei geht es überhaupt nicht um Äußerlichkeiten. Sexismus in Spielen ist wirklich so viel mehr als unrealistisch schmale Taillen und DD-Körbchen.

In Tropico 5 herrscht (wie in der Reihe schon lange üblich) 100%ige Gleichberechtigung. JedeR BürgerIn kann jeden Job machen, von LastenträgerIn/fahrerIn bis Presidente.

Dragon Age gäbe – allein vom Umfang des Spiels her – einen eigenen Blogpost her. Aber in aller Kürze: Bunt durchgemischte Charaktere, menschlich (elfisch, zwergisch, qunarisch) bis auf die Knochen.

Anno 2070 hat für ein Aufbauspiel recht viel Story mit wiederkehrenden Charakteren. Das Geschlecht des eigenen Charakters ist frei wählbar, eine der Kontaktpersonen (Questgeber) der drei größten Fraktionen ist weiblich – natürlich die Ökotante. #hmpf

Wenn man seine Siedlung aufbaut, wuseln je nach Fraktion niedliche BürgerInnen herum – aber die gezeigten Repräsentanten der berufstätigen Schichten sind immer Männer (und noch dazu fast alle weiß). Einen Auszug seht Ihr hier:

ecos techs tycoons

Manche dieser Herren machen sogar Witzchen drüber, dass ihre Frauen jetzt doch auch einen Job gefunden hätten. Es wird auch das Klischee gedroschen, dass Männer der niedrigeren Schichten auf Wirtshausschlägereien stehen würden. Gähn!

Man könnte natürlich sagen, wir hätten wichtigere Probleme – aber ehrlich, dieses Spiel ist in dem Punkt auch einfach ein Spiegel der Realität: Trotz aller erfolgreichen, kompetenten, gscheiten Frauen im realen Leben werden noch immer meist die Männer gezeigt, angesprochen, gefragt, gewählt (oder zu Wahlen aufgestellt). Und ja, das hat mit der fehlenden Präsenz zu tun, mit der noch immer mangelnden Normalität von Frauen in technischen oder kaufmännischen Karrieren. Hierzu zwei Anekdoten:

Ich betreue einen Technologie-Konzern in Sachen Facebook-Auftritt. Letztens kam eine Direct Message daher, die mit “Hello Sir” begann. Ich bin es ja gewöhnt, dass mich Leute “in diesem Internet” für einen Mann halten, weil sie “Almud” nicht kennen, aber das hat mich wirklich geärgert. Eh klar, in einem Technologie-Konzern kann ja keine Frau für irgendwas zuständig sein. (Und das, wo grade Kommunikation und Marketing so ein klassisch weiblicher Bereich sind.) Ich habe mir – weil Kunde und nicht persönlich – jeglichen Kommentar hierzu verkniffen und gewohnt freundlich geantwortet. (Der Mitarbeiter, den ich für die weitere Bearbeitung kontaktiert hab, hat mich übrigens auch als Herr Auner angemailt.)

Zweitens: Ein Mann (sorry, ich vergaß wer) hat kürzlich auf Facebook folgendes erzählt: In einem IT-Seminar mussten die ausschließlich männlichen Teilnehmer als Aufgabe einen Admin für irgendwas anlegen – eine Heidi. Zum allerersten Mal wurde in diesem Seminar eine fiktive Person diskutiert, weil: Eine Frau als Admin, das ist absurd!

Edit: Danke an Florian Prischl für den Link zu dem Thread: https://t.co/exmVar998b 

Und ja, es gibt wohl auch genug Männer, die sich aufregen würden, wenn alle Avatare in Anno 2070 Frauen wären. Aber es gäbe auch welche, die das super finden würden – wobei, ich persönlich wäre ja eh für 40/60 in diese oder jene Richtung. 50/50 klingt immer so nach abgezählt und krampfhaft.

Ich möchte Euch – Frauen, aber insbesondere auch die Männer – die mehr Repräsentation von berufstätigen und erfolgreichen Frauen super fänden, aufrufen, in Eurem Bereich und Umfeld mitzuhelfen, Euren Kolleginnen den Platz zukommen lassen, den sie sich verdient haben. Und zwar ganz bewusst und absichtlich. Wenn ihr ein Spiel designt 😉 oder jemand für eine Fachkonferenz oder ein Interview vorschlagt … aber auch “im Kleinen”, wenn ihr ein IT-Seminar haltet, wenn ihr ein Werbesujet für ein technisches Produkt erstellt, wenn ihr einen Avatar für ein Mockup einer IT-Lösung oder App erstellt … denkt an Heidi. Und schaut, was passiert. (Heidi hat übrigens kein DD-Körbchen, das würde das Experiment verzerren.)

Ich will nicht allzu pathetisch werden, aber mir fiel grad ein Gandhi-Zitat ein:

First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.

Ich glaube nicht, dass diese Normalisierung von Frauen als Expertinnen in drei konkreten Phasen geschieht, eher alles gleichzeitig: Ich habe das Ignorieren erlebt, das Verspotten und das Bekämpfen. Ich hoffe, ich erlebe auch noch den Erfolg. Bald, nicht erst 2070.

Vorfreude^2 + Aufregung = PLAY14

Obwohl ich nur mehr sehr selten zum Bloggen (in diesem Blog) komme, freut und ehrt es mich doch sehr, dass meine Meinung zum Thema geschätzt wird. So darf ich kommende Woche in Hamburg auf der PLAY14 einen Kurzvortrag vor jungen Menschen (13-23) halten. Und an einer Podiumsdiskussion teilnehmen. :)

Ich war inzwischen im Radio und im Fernsehen und hab bei Subotron über eine Stunde vorgetragen. Dennoch bin ich aufgeregt, weil erste Konferenz und erste Podiumsdiskussion. Huiiii! O_o

Falls wer in Hamburg oder bei der PLAY ist, hier meine Einsätze, würde mich freuen Euch zu sehen:

Kurzvortrag “Gender und Games”, am Freitag, den 19.09.2014 um 15 Uhr bei Bigpoint (Drehbahn 48, 20354 Hamburg)

Podiumsdiskussion „Doing Gender in Games? Geschlechterrollen in Computerspielen“,  am Samstag, den 20.09.2014 um 16:30 Uhr im Alsterdamm (Medienbunker, Feldstraße 66, 20359 Hamburg)

Nutten, Bier & Burger – was das Gamer-Herz begehrt?

[Edit: Ich hab niemals behauptet, dass Ubisoft irgendwo das Zitat “Nutten, Bier und Burger” gebracht hat oder dass Ubisoft Prostituierte für das Event gebucht hat. Das hat ein von mir im Blogpost anyonym gehaltener Twitterer, der allerdings weiter unten seine Urheberschaft kommentiert hat.]

Ich habe in letzter Zeit extrem wenig gespielt, und noch weniger gebloggt. Gestern war ich allerdings beim Launch von WatchDogs von Ubisoft eingeladen und hab mich riesig drauf gefreut. Immerhin bin ich ein großer Fan von Ubisofts Assassins’ Creed-Reihe (hab meine MSc-Thesis drüber geschrieben), von der WatchDogs angeblich Anleihen nimmt. Das Setting des Open World Action Adventures finde ich auch ziemlich cool und trifft den Zahn der Zeit: Es geht um Verschwörungstheorien, Hacking … und die totale Überwachung. Dementsprechend die Deko in der Arena Wien mit Warnhinweisen auf Überwachungskameras und der Security Check beim Eingang – sehr stimmig das alles, und viel Aufwand, der da für uns betrieben wurde. Beim Event mischten sich ein paar aufällig gewandete Leute unter die Menge: Der, wie sich später herausstellen sollte, Moderator in Schwarz mit Iro, seine Begleitung “Baby” in schwarzen Overknees, Fishnets, breitem Gürtel und mit einem Dekolletee, das man anschauen musste ob man wollte oder nicht, und als zumindest Dritter im Bunde ein Polizist in einer Uniform, die zwar nicht aus Chicago (dort spielt WatchDogs) war, aber “auch aus einem Schwulenporno sein hätte können” (wörtliches Zitat, aber nicht von mir). Der Moderator und “Baby” (der nannte sie mehrfach so) drehten ein paar Runden, um Aufmerksamkeit zu erregen (und die Wortwahl “erregen” ist vielleicht die bestmögliche hierfür) und gingen dann aufs Klo, um eine kleine, von Pornoklischees triefende Nummer hinzulegen, die auf allen Bildschirmen der Location übertragen wurde. Weil, eh scho wissen, Überwachungsstaat, wir sind nirgends sicher, auch nicht bei der schönsten Nebensache der Welt. Porno-Promotion beim WatchDogs Launch Event Manche waren entgeistert, manche begeistert, manche hatten wohl auch nicht gemerkt, dass es eine Show war. Nach der kleinen Episode zerrte der verkleidete Polizist Baby später aus der Location, wegen ungebührlichen Verhaltens. Kurze Zeit später ging der Moderator wieder mit “Baby” im Schlepptau auf die Bühne und eröffnete offiziell das Event. Den Rest der Show hab ich nicht mehr mitbekommen. Mir ist die Lust vergangen, ich war peinlich berührt und verärgert. Wieso?

  • Plumpe, sexistische Promotion bleibt selbige, auch wenn sie “subversiv” oder ironisch gemeint ist. “Es ist ja nur Spaß”, aber halt eben nicht.
  • Warum wurde nur “Baby” abgeführt? Warum müssen selbst in einer so aufgesetzten Szene Frauen die Folgen eines offensichtlich konsensualen (wenn auch dramaturgisch wohl als Bezahlsex einzuordnenden) Sexualakts ausbaden
  • Wenn schon der Eindruck vermittelt werden soll, dass es jeden treffen kann … warum nicht normal gekleidete und aussehende SchauspielerInnen auf die Toilette schicken, die sofern dort möglich “normalen” Sex haben? Die Pornoklischees und die selbstverständliche, bisweilen brutale Objektifizierung von Frauen, die sich auch durch unzählige Spiele ziehen, kotzen mich an!
  • Die unterliegende Message ist leider wieder mal, dass wir Frauen in Games und der Gaming-Szene in erster Linie als Objekt der Begierde taugen sollten, wenn wir mitspielen wollen. Neben einigen Äußerungen, die ich trotz der Musik gehört habe und einiger Tweets, die sich anerkennend über die anwesende nackte Haut geäußert haben, treibt es dieser Twitterer auf die Spitze, und damit mich auf die Palme:
"Nutten, Bier und Burger, wie gesagt Ubisoft Austria macht die besten Partys"
“Nutten, Bier und Burger, wie gesagt Ubisoft Austria macht die besten Partys” Der Fav für diesen Tweet ist übrigens vom offiziellen Ubisoft Austria Twitter-Account.

Versteht mich nicht falsch − es geht nicht um Prüderie, es geht schon gar nicht ums Shaming von leicht bekleideten Frauen oder SexarbeiterInnen, es geht auch nicht darum, dass man Inhalte für Erwachsene nicht provokant und pikant promoten darf. Es geht um die Message, die tausendfach an Gamerinnen und Gamer übermittelt wird, in einer Szene, die sowieso und schon seit jeher an einem Ungleichgewicht und einer Ungleichbehandlung der Geschlechter leidet. Es geht darum, dass ein internationaler Publisher es nicht nötig haben sollte, auf derartig billige Tricks zurückzugreifen. Es geht darum − und das hat die große Zahl an anwesenden Frauen gezeigt − dass Gamerinnen einen immer größeren Anteil des Umsatzes eines Spiels ausmachen, und dass wir ernstgenommen und nicht auf Arsch und Titten reduziert werden wollen. Und dass auch ein Teil der männlichen Gamer (und Journalisten) auf derartige Aktionen mit Unverständnis reagiert und dass diesen die Argumente ausgehen, warum ihre Frau/Freundin/Schwester ihr Hobby Computerspiele mit ihnen teilen (oder es zumindest nicht bescheuert, maskulistisch und pubertär finden) sollte. Und warum Spiele ein ernstzunehmendes Medium sind. Nutten, Bier und Burger … war das Eure Message, Ubisoft Austria? Ich hoffe nicht.

Subotron-Vortrag zum Thema Gender Diversity und sexuelle Identität in Spielen

[Posting in German since the talk, which was recorded and is available below, was held in German.]

Rene Schallegger beim subotron Vortrag zum Thema sexuelle Identität. Credit: Verena Riedl, http://www.in-ga.me/subotron-arcademy-nicht-sexy-betrachtungen-zu-geschlechterrollen-sexualitaet-und-sexueller-diversitaet-im-videospiel/
Rene Schallegger beim subotron Vortrag. Credit: Verena Riedl, in-ga.me

Am 25. Oktober fand im Raum D des MQ Wien ein Subotron Vortrag mit dem Titel “Nicht sexy! – Betrachtungen zu Geschlechterrollen, Sexualität und sexueller Diversität im Videospiel” statt. Natürlich musste ich hin. Ich bin seit Jahren Stammgast bei der Vortragsreihe zu Theorie und Praxis von Computerspielen und war lange Zeit auch die einzige Frau, die sich regelmäßig dorthin “verirrte”, was mir seitens Veranstalter Jogi Neufeld auch den scherzhaften Ehrentitel “Quotenfrau” eintrug. Ich muss auch gestehen, dass ich damals manchmal Sorge hatte, man würde mich nicht ernst nehmen. Aber mit der Zeit haben sich einige Freundschaften und viele Online-Kontakte ergeben, und mit Freude stelle ich fest, wieviele Frauen inzwischen regelmäßig im Publikum sitzen.

Und bei meinem Thema war ich gleichermaßen begeistert und skeptisch, was und wie da vorgetragen und vor allem diskutiert werden würde. Der Vortrag wurde gehalten von René Schallegger von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und befasste sich mal mit der Geschichte von Sex in Computerspielen. Diese Abhandlung kann man nur als rudimentär bezeichnen, aber da würde man einen eigenen Vortragsabend brauchen. Man kann ja sogar Bücher drüber schreiben wie Brenda Brathwaite (“Sex in Video Games” – ich hab’s allerdings noch nicht gelesen).

Insgesamt fand ich den Vortrag super spannend, aber eigentlich ging es in erster Linie um sexuelle Orientierung, nicht Geschlechterrollen oder sexuelle Identität. Ich hätte mir ein bisschen mehr dazu erwartet, weil es im Titel ja vorkam – andererseits ist das ja mein Steckenpferd, also wäre ich eher gespannt auf die Methodik gewesen, als die Inhalte. Und vielleicht … kann man da ja mal … ein bisschen mehr in die Tiefe gehen? 😉

Sexuelle Identität in Mass Effect – das Best Practice Beispiel

Als Best Practice wurde mehrfach Mass Effect genannt, und das mag in Bezug auf Homosexualität zum Teil stimmen, aber viel davon ist in erster Linie für den männlichen Betrachter (“male gaze”) gemacht, das zeigt auch der starke Überhang von lesbischen Beziehungsoptionen gegenüber schwulen. So sehr ich die Reihe liebe, ich kritisiere auch nach wie vor die übersexualisierten Charaktere, die manchmal geradezu voyeuristische Kameraführung und die zum Teil lächerlichen Erklärungen, warum man auf jedem zweiten Planeten Asari-Femmes fatales antrifft aber z.B. nirgendwo Turianerinnen. (Der Character Designer meinte, er wüsste nicht, wie er weibliche erstellen sollte, ob Lippenstift passend wäre.)

Hier ist der Mitschnitt von “Nicht Sexy” (nur Audio!)

 

Und zu Verenas Review geht’s hier: In-ga.me Review von subotron arcademy: “Nicht Sexy”

Big, Bad… Boobs!

Yes, this is a shameless attempt to catch your attention! Did it work?

[Spoiler warning for the entire Mass Effect and Dragon Age series]

[Trigger warning for mentions of rape and mutilation.]

Recently, I’ve seen more and more people discuss oversexualization of female characters in games in articles, on Twitter, and real life. And it’s not just us girl gamers who are annoyed, but also the guys who are tired of being treated like teenage boys. And, as Brenna Hillier (whose Twitter is @draqul and you should insta-follow her) put it so nicely in an article on vg24/7:

“The industry’s reliance on over-sexualised, impossible female design is somewhat insulting to those who’ve grown past the point of getting erections from passing bra stores.”

I also remember that the Liara collectible for ME3 was subjected to breast size reduction surgery before going into production. Unfortunately for Liara, this means that she won’t ever become a leader of Asari society (regardless of any ME3-related galactic travel problems), because Asari leaders are recognizeable by their enormous melon-sized breasts (says deviantartist Epantiras in her funny-as-hell parody cartoon “Mess Perfect”).

In general, this discussion is a step in the right direction, I hope it will gain momentum and find its way into the brains of the game developers! [Yes I’m an optimist. I couldn’t bear blogging about gender & games if I weren’t.] I could go on about this and try to retrieve all the other links on character designs, armors and whatnot. (There are AWESOME blogs about this springing up like mushrooms after the rain.) But right now, I have something more insidious and immensely literal in mind: Big, bad, boobs.

Continue reading Big, Bad… Boobs!

The (Rise and) Rape of Lara Croft

[Trigger Warning: Rape, sexual violence]

[Spoiler Alert for Mass Effect 2; only hinting at spoilers for Tomb Raider]

 Is it too late to chime in on the “Tomb Raider rape controversy”?  I’ll readily admit that I haven’t played a single minute of any game in the series, but as a feminist gamer interested in gender roles, of course I’ve followed Lara’s story from a distance. I’ve watched a good amount of gameplay videos of the reboot (until the cremation of ********, not to spoil anything vital) and read a fair share of articles and blog posts and interviews and whatnot about it. But anyway … it is never too late to talk about rape and rape culture. I agree with many commenters that the “suggested rape attempt scene” has been a publicity stunt. I think that, apart from that scene, Lara has to endure pain and violent acts that IMO are over the top. Also: The constant moaning and groaning, COME ON! You’d NEVER subject a male character to all this! As explained by the game’s executive producer Ron Rosenberg, this all happens for a very specific reason:

“When people play Lara, they don’t really project themselves into the character. They’re more like ‘I want to protect her.’ There’s this sort of dynamic of ‘I’m going to this adventure with her and trying to protect her.'”

(That would also never happen to a male character.) I also agree with Mary Hamilton in her Guardian article that

the use of rape “is a lazy shorthand that allows a writer to paint a bad guy as particularly bad, and a woman as particularly vulnerable (the genders are rarely reversed), without dealing with the consequences or meaning of such an act for any of the parties involved.”

There are just so many aspects of this affair that make me so angry I don’t even care whether it’s actually a good game. Let’s assume games are an art form and we want to discuss all sorts of topics from our daily lives in this medium. So let’s face it: rape, sexual assault and molestation are part of the daily lives of countless women and girls on this planet. And I do think that we have got to try to deal with this topic in video games. If it’s supposed to be a mature medium for grown-ups, we gotta figure out how.

Continue reading The (Rise and) Rape of Lara Croft