Vorfreude^2 + Aufregung = PLAY14

Obwohl ich nur mehr sehr selten zum Bloggen (in diesem Blog) komme, freut und ehrt es mich doch sehr, dass meine Meinung zum Thema geschätzt wird. So darf ich kommende Woche in Hamburg auf der PLAY14 einen Kurzvortrag vor jungen Menschen (13-23) halten. Und an einer Podiumsdiskussion teilnehmen. 🙂

Ich war inzwischen im Radio und im Fernsehen und hab bei Subotron über eine Stunde vorgetragen. Dennoch bin ich aufgeregt, weil erste Konferenz und erste Podiumsdiskussion. Huiiii! O_o

Falls wer in Hamburg oder bei der PLAY ist, hier meine Einsätze, würde mich freuen Euch zu sehen:

Kurzvortrag “Gender und Games”, am Freitag, den 19.09.2014 um 15 Uhr bei Bigpoint (Drehbahn 48, 20354 Hamburg)

Podiumsdiskussion „Doing Gender in Games? Geschlechterrollen in Computerspielen“,  am Samstag, den 20.09.2014 um 16:30 Uhr im Alsterdamm (Medienbunker, Feldstraße 66, 20359 Hamburg)

Nutten, Bier & Burger – was das Gamer-Herz begehrt?

[Edit: Ich hab niemals behauptet, dass Ubisoft irgendwo das Zitat “Nutten, Bier und Burger” gebracht hat oder dass Ubisoft Prostituierte für das Event gebucht hat. Das hat ein von mir im Blogpost anyonym gehaltener Twitterer, der allerdings weiter unten seine Urheberschaft kommentiert hat.]

Ich habe in letzter Zeit extrem wenig gespielt, und noch weniger gebloggt. Gestern war ich allerdings beim Launch von WatchDogs von Ubisoft eingeladen und hab mich riesig drauf gefreut. Immerhin bin ich ein großer Fan von Ubisofts Assassins’ Creed-Reihe (hab meine MSc-Thesis drüber geschrieben), von der WatchDogs angeblich Anleihen nimmt. Das Setting des Open World Action Adventures finde ich auch ziemlich cool und trifft den Zahn der Zeit: Es geht um Verschwörungstheorien, Hacking … und die totale Überwachung. Dementsprechend die Deko in der Arena Wien mit Warnhinweisen auf Überwachungskameras und der Security Check beim Eingang – sehr stimmig das alles, und viel Aufwand, der da für uns betrieben wurde. Beim Event mischten sich ein paar aufällig gewandete Leute unter die Menge: Der, wie sich später herausstellen sollte, Moderator in Schwarz mit Iro, seine Begleitung “Baby” in schwarzen Overknees, Fishnets, breitem Gürtel und mit einem Dekolletee, das man anschauen musste ob man wollte oder nicht, und als zumindest Dritter im Bunde ein Polizist in einer Uniform, die zwar nicht aus Chicago (dort spielt WatchDogs) war, aber “auch aus einem Schwulenporno sein hätte können” (wörtliches Zitat, aber nicht von mir). Der Moderator und “Baby” (der nannte sie mehrfach so) drehten ein paar Runden, um Aufmerksamkeit zu erregen (und die Wortwahl “erregen” ist vielleicht die bestmögliche hierfür) und gingen dann aufs Klo, um eine kleine, von Pornoklischees triefende Nummer hinzulegen, die auf allen Bildschirmen der Location übertragen wurde. Weil, eh scho wissen, Überwachungsstaat, wir sind nirgends sicher, auch nicht bei der schönsten Nebensache der Welt. Porno-Promotion beim WatchDogs Launch Event Manche waren entgeistert, manche begeistert, manche hatten wohl auch nicht gemerkt, dass es eine Show war. Nach der kleinen Episode zerrte der verkleidete Polizist Baby später aus der Location, wegen ungebührlichen Verhaltens. Kurze Zeit später ging der Moderator wieder mit “Baby” im Schlepptau auf die Bühne und eröffnete offiziell das Event. Den Rest der Show hab ich nicht mehr mitbekommen. Mir ist die Lust vergangen, ich war peinlich berührt und verärgert. Wieso?

  • Plumpe, sexistische Promotion bleibt selbige, auch wenn sie “subversiv” oder ironisch gemeint ist. “Es ist ja nur Spaß”, aber halt eben nicht.
  • Warum wurde nur “Baby” abgeführt? Warum müssen selbst in einer so aufgesetzten Szene Frauen die Folgen eines offensichtlich konsensualen (wenn auch dramaturgisch wohl als Bezahlsex einzuordnenden) Sexualakts ausbaden
  • Wenn schon der Eindruck vermittelt werden soll, dass es jeden treffen kann … warum nicht normal gekleidete und aussehende SchauspielerInnen auf die Toilette schicken, die sofern dort möglich “normalen” Sex haben? Die Pornoklischees und die selbstverständliche, bisweilen brutale Objektifizierung von Frauen, die sich auch durch unzählige Spiele ziehen, kotzen mich an!
  • Die unterliegende Message ist leider wieder mal, dass wir Frauen in Games und der Gaming-Szene in erster Linie als Objekt der Begierde taugen sollten, wenn wir mitspielen wollen. Neben einigen Äußerungen, die ich trotz der Musik gehört habe und einiger Tweets, die sich anerkennend über die anwesende nackte Haut geäußert haben, treibt es dieser Twitterer auf die Spitze, und damit mich auf die Palme:
"Nutten, Bier und Burger, wie gesagt Ubisoft Austria macht die besten Partys"
“Nutten, Bier und Burger, wie gesagt Ubisoft Austria macht die besten Partys” Der Fav für diesen Tweet ist übrigens vom offiziellen Ubisoft Austria Twitter-Account.

Versteht mich nicht falsch − es geht nicht um Prüderie, es geht schon gar nicht ums Shaming von leicht bekleideten Frauen oder SexarbeiterInnen, es geht auch nicht darum, dass man Inhalte für Erwachsene nicht provokant und pikant promoten darf. Es geht um die Message, die tausendfach an Gamerinnen und Gamer übermittelt wird, in einer Szene, die sowieso und schon seit jeher an einem Ungleichgewicht und einer Ungleichbehandlung der Geschlechter leidet. Es geht darum, dass ein internationaler Publisher es nicht nötig haben sollte, auf derartig billige Tricks zurückzugreifen. Es geht darum − und das hat die große Zahl an anwesenden Frauen gezeigt − dass Gamerinnen einen immer größeren Anteil des Umsatzes eines Spiels ausmachen, und dass wir ernstgenommen und nicht auf Arsch und Titten reduziert werden wollen. Und dass auch ein Teil der männlichen Gamer (und Journalisten) auf derartige Aktionen mit Unverständnis reagiert und dass diesen die Argumente ausgehen, warum ihre Frau/Freundin/Schwester ihr Hobby Computerspiele mit ihnen teilen (oder es zumindest nicht bescheuert, maskulistisch und pubertär finden) sollte. Und warum Spiele ein ernstzunehmendes Medium sind. Nutten, Bier und Burger … war das Eure Message, Ubisoft Austria? Ich hoffe nicht.

Subotron-Vortrag zum Thema Gender Diversity und sexuelle Identität in Spielen

[Posting in German since the talk, which was recorded and is available below, was held in German.]

Rene Schallegger beim subotron Vortrag zum Thema sexuelle Identität. Credit: Verena Riedl, http://www.in-ga.me/subotron-arcademy-nicht-sexy-betrachtungen-zu-geschlechterrollen-sexualitaet-und-sexueller-diversitaet-im-videospiel/
Rene Schallegger beim subotron Vortrag. Credit: Verena Riedl, in-ga.me

Am 25. Oktober fand im Raum D des MQ Wien ein Subotron Vortrag mit dem Titel “Nicht sexy! – Betrachtungen zu Geschlechterrollen, Sexualität und sexueller Diversität im Videospiel” statt. Natürlich musste ich hin. Ich bin seit Jahren Stammgast bei der Vortragsreihe zu Theorie und Praxis von Computerspielen und war lange Zeit auch die einzige Frau, die sich regelmäßig dorthin “verirrte”, was mir seitens Veranstalter Jogi Neufeld auch den scherzhaften Ehrentitel “Quotenfrau” eintrug. Ich muss auch gestehen, dass ich damals manchmal Sorge hatte, man würde mich nicht ernst nehmen. Aber mit der Zeit haben sich einige Freundschaften und viele Online-Kontakte ergeben, und mit Freude stelle ich fest, wieviele Frauen inzwischen regelmäßig im Publikum sitzen.

Und bei meinem Thema war ich gleichermaßen begeistert und skeptisch, was und wie da vorgetragen und vor allem diskutiert werden würde. Der Vortrag wurde gehalten von René Schallegger von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und befasste sich mal mit der Geschichte von Sex in Computerspielen. Diese Abhandlung kann man nur als rudimentär bezeichnen, aber da würde man einen eigenen Vortragsabend brauchen. Man kann ja sogar Bücher drüber schreiben wie Brenda Brathwaite (“Sex in Video Games” – ich hab’s allerdings noch nicht gelesen).

Insgesamt fand ich den Vortrag super spannend, aber eigentlich ging es in erster Linie um sexuelle Orientierung, nicht Geschlechterrollen oder sexuelle Identität. Ich hätte mir ein bisschen mehr dazu erwartet, weil es im Titel ja vorkam – andererseits ist das ja mein Steckenpferd, also wäre ich eher gespannt auf die Methodik gewesen, als die Inhalte. Und vielleicht … kann man da ja mal … ein bisschen mehr in die Tiefe gehen? 😉

Sexuelle Identität in Mass Effect – das Best Practice Beispiel

Als Best Practice wurde mehrfach Mass Effect genannt, und das mag in Bezug auf Homosexualität zum Teil stimmen, aber viel davon ist in erster Linie für den männlichen Betrachter (“male gaze”) gemacht, das zeigt auch der starke Überhang von lesbischen Beziehungsoptionen gegenüber schwulen. So sehr ich die Reihe liebe, ich kritisiere auch nach wie vor die übersexualisierten Charaktere, die manchmal geradezu voyeuristische Kameraführung und die zum Teil lächerlichen Erklärungen, warum man auf jedem zweiten Planeten Asari-Femmes fatales antrifft aber z.B. nirgendwo Turianerinnen. (Der Character Designer meinte, er wüsste nicht, wie er weibliche erstellen sollte, ob Lippenstift passend wäre.)

Hier ist der Mitschnitt von “Nicht Sexy” (nur Audio!)

 

Und zu Verenas Review geht’s hier: In-ga.me Review von subotron arcademy: “Nicht Sexy”